Vereinschronik des RV Forst

altes bild 19200202Am 5. August 1911 trafen sich 16 radsportbegeisterte Männer (Erwin Bacher, Max Böser, Peter Burger, Oswald Etzkorn, Friedrich Guthbrod, Hermann Heiler, August Huber, Josef Kling, Georg Josef Lackus, Ambros Schneider, Eduard Stockenberger, Anton Umhof, Josef Veith, Josef Wagner, Paul Weindel) im Gasthaus zum „Deutschen Kaiser“ zur Gründung des Radfahrervereins „Germania“ 1911 Forst. Bereits im September 1911 fanden das Stiftungsfest und das 1. Radrennen statt.

 In den folgenden Jahren wurden Straßenrennen, welche jeweils über Hambrücken, Neudorf Karlsdorf, Bruchsal nach Forst führten, ausgerichtet. 1914 kam die Vereinstätigkeit infolge des 1. Weltkrieges zum Erliegen. Aber bereits im Juli 1919 wurde wieder eine Vorstandschaft gebildet und das Vereinsleben wieder aktiviert. 

In den folgenden Jahren standen die sonntäglichen Vereinsausfahrten zu den benachbarten Radfahrervereinen mit Teilnahme am Korsofahren und Straßenrennen im Vordergrund des Vereinsgeschehens. Mit dem Bezirksfest des Kreises Bruchsal im Jahre 1920 stieg der Ver­ein selbst in diese Aktivitäten ein und gestaltete ein Straßenrennen, einen Festzug, Korso- und Langsamfahr- Wettbewerb. 1921 fand die erste Ausfahrt mit der neu gegründeten Rad­lermusik statt. Die sechs Mann zählende Kapelle bestand aus den heute noch im Original vorhandenen Signalhörnern mit zwei 1. Stimmen, zwei 2. Stimmen, dem Bass und der Be­gleitung. So neu eingestimmt konnte der Verein sich weiter entwickeln und 1923 die Banner­weihe mit Enthüllung der Ehrentafel der im 1. Weltkrieg gefallenen Mitglieder begehen.

 In den folgenden Jahren (bis 1935) gab es im Verein infolge der wechselhaften Zeiten ein stetiges Auf und Ab. Das 25-jährige Bestehen feierte der Verein 1936 im Rahmen eines Stif­tungsfestes mit Straßenrennen, Festzug und Korsofahren. Um 5.00 Uhr erfolgte der Weckruf der Radlermusik, so dass ein langer Tag für die Feier nutzbar war. Im selben Jahr wurde das Training im Radball, Kunstradfahren und Reigenfahren aufgenommen. Trainingsstätte war (bis in die 50er Jahr) der Festsaal zur „Traube“ Als in diesen Sportarten ein ansprechender Leistungsstand erreicht war und sich auch Erfolge abzeichneten (auf Kreis- und Bezirks­ebene), brach der 2. Weltkrieg aus. Die jüngeren Mitglieder wurden zum Wehrdienst einbe­rufen. Das Vereinsleben musste zum zweiten Mal auf unbestimmte Zeit ruhen.

 Im Jahre 1949 trafen sich die vom Krieg heimgekehrten Mitglieder und wurden wieder aktiv. Mit Genehmigung der Militärregierung wurde der Verein wieder gebildet.

 Das 40-jährige Bestehen feierte der Verein 1951 auf dem alten Kirchplatz. Neben einem sehr spannend verlaufenen Straßenrennen wurden auf der Festbühne Kunstradfahren, Reigen­fahren und Radballspiele geboten.

 In den folgenden Jahren waren die Aktivitäten des Vereins geprägt vom Korsofahren, Rad­ball, Kunstradfahren und Reigenfahren. Die Ausfahrten wurden bis Forbach und Gausbach ausgedehnt.

 Das 50. Vereinsjubiläum feierte der Verein 1961. Neben einem Festbankett, wurden Kunst­radfahren (2-facher WM Pfeifer), Radball und ein Festzug mit Korsofahren geboten.

 Mit zunehmender Motorisierung auf den Straßen wurden die Vereinsausfahrten und die Festzüge mit Korsofahren immer weniger, bis sie Ende der 60er Jahre ganz eingestellt wur­den. Auch im Radball und Kunstradfahren begann mit der Schließung des Traubensaales eine langjährige Durststrecke. Das Kunstradfahren musste wegen fehlender Trainingsfläche ganz eingestellt werden. Das Radballtraining wurde in beengten Räumen unter erschwerten Bedingungen weitergeführt. Man war froh über die Bereitstellung der „Hasenhalle“, in welcher mit Spanplatten das Spielfeld ausgelegt wurde. Heizung, Duschen oder Umkleideräume standen nicht zur Verfügung. Insbesondere im Winter war daher an ein ordentliches Training nicht zu denken.

 1977 fanden die Hallenradsportler in der neu gebauten Waldseehalle eine neue Bleibe. Unter optimalen räumlichen Voraussetzungen konnte dort das Radball- und Kunstradtraining wieder regelmäßig betrieben werden. Nach einem Jahr intensivem Aufbautraining beteiligten sich die Radsportler bereits an den Wettkämpfen der laufenden Verbandsrunde. In den folgenden Jahren erkämpfen sich die Radballspieler Meistertitel in der Bezirksliga, Landes­liga und wurden auch schon mehrfach 1. Landesmeister (Baden) in der Oberliga.

 Ebenso erfolgreich waren die Kunstradfahrerinnen. Ihr ausdauernder Trainingsfleiß wurde mit Meisterehren auf Kreisebene, bei den Badischen und Süddeutschen Meisterschaften so­wie beim Rhein-Neckar-Preis belohnt.

 Im Rahmen des Breitensports führt der Verein seit 1978 jährlich eine Volksradfahrveran­stal­tung durch. Das Programm der Aktiven wird abgerundet durch die Teilnahme an den Orts­meisterschaf­ten der Forster Vereine im Schießen, Handball, Fußball, Holzsägen, Kraft-Dreikampf, Tau­ziehen usw. Auf der geselligen Seite bietet der Verein jährlich einen Masken­ball, ein Waldfest, eine Winterfeier oder einen Vereinsausflug.

 Das 75jährige Vereinsjubiläum feierte der Verein am 13. September 1986. Mit einem Festzug ging es vom Rathaus zur Waldseehalle, wo anschließend ein Festbankett mit reichhaltigem Programm stattfand. Des Weiteren konnte der Verein eine Woche darauf die Deutsche Hal­lenradsport-Meisterschaft im Radball, Kunstradfahren und Radpolo ausrichten. Der Verein besteht jetzt aus 74 Mitgliedern und 14 Schüler/Jugendlichen.

 Höhepunkte im Kunstradfahren konnten Anfangs der 90er Jahre bis 2001 erlebt werden. Dank der intensiven und erstklassigen Trainingsarbeit der ehemaligen Welt- und Vize­weltmeisterin Gudrun Regele konnten die Geschwister Katja und Julia Rosmanek zu Spitzenfahrerinnen ausgebildet werden. Katja und Julia konnten während ihrer  sportlichen Laufbahn zahlreiche nationale und internationale Erfolge erlangen. Katja erreichte 1999 mit dem 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft ihren größten Erfolg. Beide wurden fester Bestandteil des Baden-Württembergischen Landesverbandes, sowie der Junioren-Natio­nalmannschaft. Ebenfalls im Jahre 1999 wurde die Qualifikation zur Europameisterschaft in der Waldseehalle ausgetragen. Katja und Julia errangen einen hervorragenden 3. bzw. 4. Platz. Nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn im Jahre 2002 wurde der Trainingsbetrieb der Kunstradabteilung vorübergehend eingestellt.

Im Jahre 1999 wurde in Verbindung mit dem Volksradfahren eine Radtouristikgruppe ins Leben gerufen. Die Herausforderung für sportliche Aktivitäten war für viele der Ansporn an RTF-Veranstaltungen teilzunehmen. Auch der Verein organisiert seit diesem Zeitpunkt eine RTF-Veranstaltung mit Festbetrieb. Dazu werden 4 Radstrecken von 45, 74, 115 und 152 km durch den Kraichgau ausgeschilderte.

 Im Jahr 2000 wurde eine Radwandergruppe gegründet. Diese trifft sich regelmäßig im einmal die Woche zu relativ leichten Radwanderungen von ca. 25-40 km. Ein Besuch eines Besens, eines Museums oder einer sonstigen Attraktion ist meist mit der Tour verbunden. Zusätzlich zu den Radwanderungen wird ganzjährig immer montags, ein Walking-Treff angeboten.

Die Jugendrennsportgruppe wurde aus den Teilnehmern des Ferienprogramms 2000 der Gemeinde Forst gegründet. Der Anfang war, dass man mit 10 Jugendlichen nach Oberhau­sen auf die Radrennbahn gestartet war und mit einem Rennrad die ersten Runden gedreht hatte. Die Begeisterung war so groß, dass sich aus diesen Teilnehmern die Jugend­rennsportgruppe gebildet hat. Der Verein schaffte daraufhin 10 Rennräder für die Jugend an. Zwischenzeitlich besteht die Gruppe aus 16 Schülern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 17 Jahren. Schon bald war auch klar, dass man sich auch bei Rennen bei anderen Vereinen messen und auch selbst ein Radrennen veranstalten möchte. So konnten wir am 03.Oktober 2002 den Startschuss zum 1. Forster Radrennen „Rund um den Kirchturm“ ge­ben. Diese Rennen hat sowohl bei den Sportlern selbst, aber auch bei der Bevölkerung aus Forst und der Umgebung breite Zustimmung gefunden. So war klar, dass man auch in den folgenden Jahren ein Radrennen ausrichten würde. Da schon das 1. Rennen einen sehr gu­ten Zuspruch fand, gelang es den Verantwortlichen sich weiterhin zu steigern. Zwischenzeit­lich ist das Forster Radrennen aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken. Allerdings findet das Rennen nicht mehr im Ortsmittelpunkt statt, sondern das historische Jägerhaus ist Start und Zielpunkt für einen anspruchsvollen Rundkurs geworden.

2001 wurde das 90zig jährige Vereinjubiläum gefeiert. Im Rahmen einer erweiterten Winter­feier wurden Mitglieder für ihre langjährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Bürgermeister Gsell ehrte weiterhin verschiedene Mitglieder für ihre sportlichen Leistungen und Erfolge.

 Im aktiven Bereich der Radballer konnte im neuen Jahrtausend ein enormer Zuwachs verzeichnet werden. Zwischenzeitlich sind annähernd 30 Radballer im Spielbetrieb. Hier werden kontinuierlich über Jahre große Erfolge national und international in allen Ligen erlangt. Durch intensive Nachwuchsarbeit konnten im Jahr 2002 erfreulicherweise 8 Schüler und Jugendliche, die zwischenzeitlich auf 13 angewachsen sind, für die Radballabteilung gewonnen werden. Somit konnten 4 Schüler-Mannschaften gebildet werden, die sich seit der Zeit sehr erfolgreich schlagen.

 Zwischenzeitlich ist der Verein auf 156 Mitglieder und 33 Schüler/Jugendliche angewachsen. Davon beteiligen sich ca. 80 aktiv in den einzelnen Sportarten